Das Parlament des Schweizerischen Gewerbeverbandes, die Schweizerische Gewerbekammer, ist sich einig: Es braucht ein klares Nein bei der Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz».
Das Gewerbe will sich fĂĽr eine verantwortungsvolle Schweiz einsetzen. Dazu gehört, Herausforderungen wie Umwelt-, Infrastruktur- und Sozialfragen anzupacken. Doch diese Initiative setzt dabei auf rigide Grenzwerte und starre Mechanismen, die weitreichende wirtÂschaftÂliche und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen – insbesondere fĂĽr kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Darum braucht es ein klares Nein.
Unternehmerisches Risiko bei Annahme der Initiative
KMU sind das RĂĽckgrat der Wirtschaft. Sie beschäftigen Mitarbeitende, bilden Lernende aus und sorgen fĂĽr Innovation und regionale Wertschöpfung. «Eine Annahme der Initiative wĂĽrde diesen Unternehmen erhebliche Risiken bringen», sagt Urs Furrer, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Durch die feste Begrenzung der Bevölkerung und verpflichtende Massnahmen im ZuwanÂdeÂrungsÂbereich könnten Schweizer Unternehmen schon bald Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte haben, die viele KMU dringend benötigen. Gerade in spezifischen Branchen – Handwerk, Pflege, Gastronomie, IT – sind Fachkräfte oft international rekrutiert. Wenn diese Zuwanderung eingeschränkt oder verunmöglicht wird, wird ein Teil der KMU mit dem Fachkräftemangel allein gelassen. Dadurch geraten bestehende Arbeitsprozesse, Produktion und Dienstleistungen unter Druck – mit Risiken fĂĽr Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit.
«Zudem drohen wirtschaftliche Unsicherheiten, wenn internationale Abkommen wie das PersonenÂfreiÂzĂĽgigkeitsÂabkommen gekĂĽndigt werden mĂĽssten», sagt sgv-Präsident Fabio Regazzi. Viele KMU sind auf die grenzĂĽberschreitende Zusammenarbeit mit EU-Partnern angewiesen – sei es im Export, im Einkauf von Vorleistungen oder bei der Rekrutierung von Spezialistinnen und Spezialisten. Eine aktive Schwächung des bilateralen Weges mit der EU könnte diese Zusammenarbeit erheblich erschweren, was zusätzliche HĂĽrden, Kosten und Risiken fĂĽr KMU schafft.
Es braucht pragmatische Lösungen
Statt zusätzliche starre Beschränkungen zu schaffen, braucht es nach dem Willen der Gewerbekammer pragmatische, marktwirtschaftliche Lösungen: mehr Investitionen in Infrastrukturen, gezielte Massnahmen im Arbeitsmarkt, Anreize zur Fachkräfteausbildung und -bindung sowie eine Zusammenarbeit mit Partnern in Europa und der Welt. Urs Furrer: «KMU müssen gestärkt, nicht belastet werden.»
Klares Nein des Gewerbes zur Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»