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72. Gewerbliche Winterkonferenz

Perspektiven und Horizonte

Arena 1, Klosters | 12. - 14. Januar 2022

Unter dem Tagungsthema «Perspektiven und Horizonte» kombiniert die 72. gewerblichen Winterkonferenz in Klosters vielfältige Elemente und Denkanstösse:

  • Warum sollte man als Mensch Risiken eingehen und wo sind die Grenzen der Politik? Neben der unternehmerischen und politischen Sicht diskutieren dazu junge Aktivistinnen aus dem ganzen politischen Spektrum.
  • Wie gehen Unternehmen, Verbände und die ganze Wirtschaft mit dem Strukturwandel um? Berichte aus erster Hand werden durch Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft ergänzt.
  • Wie steht es um die Beziehungen der Schweiz mit grossen Handelspartnern – EU, USA, China und Indien? Experten und Unternehmer geben verschiedene Einblicke.
  • Die nächste Krise kommt bestimmt; wie soll man sie managen. Daniel Koch hält das Abschlussreferat am 14. Januar 2022.

Programme

Programm Gewerbliche Winterkonferenz 2022
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Übersicht mit Rahmenprogramm Gewerbliche Winterkonferenz 2022
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Anmeldung

Der Anlass ist offen für alle: Verbandsvertreter und Mitglieder, Amtsträger, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie interessierte Personen. Die Teilnahme ist kostenlos. Es ist auch möglich an einzelnen Programmpunkten teilzunehmen. Natürlich ist für ein Schutzkonzept gesorgt; die geltenden behördlichen Auflagen müssen erfüllt werden - Stand 4. November 2021 gilt also die 3G Regel. Mit dem Formular auf der sgv-Website können Sie bis zu acht Personen anmelden. » Zum Anmeldeformular

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    • Mittwoch, 15. Januar
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Mittwoch, 12. Januar 2022

Auch Parmelin sprach sich dezidiert gegen die Initiative des Mieterverbands aus. Die Umsetzung einer gesamtschweizerischen 10-Prozent-Quote für gemeinnützige Neubauwohnungen sei «weder kurz- noch mittelfristig realistisch». Stattdessen müssten, sollte die Initiative durchkommen, Bund und Kantone einspringen – «mit einem Aufwand und mit Kosten, die absolut nicht verantwortbar wären».

Wirtschaftsminister Parmelin zeigte sich überdies besorgt, dass der demografische Wandel negative Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes haben könnte und sprach sich dafür aus, den Unternehmergeist als wichtigen Teil des Erfolgsrezepts der Schweiz zu stärken. Viel stehe auf dem Spiel – von der Städteplanung über die Verkehrs- und Infrastruktur bis zu Gesundheit uns Vorsorge: «Dies alles betrifft Unternehmer ebenso wie die Politik, und wir tun gut daran, die Herausforderungen frühzeitig anzugehen und schon heute wichtige Entscheidungen zu treffen.»

Ziel des Bundesrates sei es, nicht die Wirtschaft zu schützen, sondern die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz zu stärken. Patentrezepte gebe es keine, umso wichtiger seien aber eine kontrollierte Zuwanderung, die Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts.

Im Gespräch mit Bundesrat Parmelin und sgv-Präsident Rime liess sich der frühere SRF-Moderator Reto Brennwald von den Tagungs­themen leiten. Parmelin und Rime waren sich einig, dass der Kampf gegen die ausufernde Regulierung weitergeführt werden müsse und dass in Sachen Digitalisierung die Wirtschaft ihre Bedürfnisse selber formulieren müsse – der Staat könne hier bloss koordinierend wirken.

Donnerstag, 13. Januar 2022

Längeres Leben und die Folgen

«Wir sind noch nicht bereit, anzuerkennen, dass ‘Alter’ heute etwas völlig anderes bedeutet als je in der Geschichte vor uns», hielt der 75jährige, vife und wache Philosoph Ludwig Hasler an der Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters fest. Während «Alte» früher arbeiteten und weiter zur Sippe gehörten, indem sie sich nützlich machten, werde heute ein willkürlicher, scharfer Schnitt gemacht, indem ums Alter von 65 herum die «Beschäftigtheit» von 100 auf Null sinke – mit teils erschreckenden Auswirkungen. Sei das Altern früher als «Vorbereitung auf das Jenseits» begriffen worden, so komme heute «der Druck nicht mehr vom Himmel, sondern von uns selber». Die Folge: Eine um sich greifende «Erlebnissucht», ein Reisen ohne Ende «aus Furcht, etwas verpasst zu haben».

«Sinn», so Hasler, ergebe sich viel eher aus dem «Mitwirken an etwas, das grösser ist als wir selber» – an der Zukunft anderer. Hasler warb dafür, «Alte» nicht als Passivmitglieder der Gesellschaft, sondern als Akteure zu behandeln. Akteure auch, die ihre Erfahrungen länger als heute in die Arbeitswelt einbringen und im Zusammenspiel mit den Jungen deren frisches Wissen, deren Elan und deren Illusionen mit ihrem «angewandtem Wissen» ergänzen sollten.

KMU seien heute eher bereit als Konzerne, den Wert der Erfahrungen älterer Menschen zu nutzen. «Dass eine höhere Lebenserwartung auch ein längeres Aktivsein erfordert, müssen uns keine Mathematiker erklären», so Hasler in seinen mit grossem Applaus verdankten Überlegungen, «das sehen heute alle, die das Thema mit wachen Augen anschauen.»

Demographie verändert Demokratie

«In den meisten Themen ändert sich die öffentliche Meinung, weil alte Menschen ihre Meinung mit ins Grab nehmen.» Demografische Veränderungen wirkten doppelt so stark wie Veränderungen in den Überzeugungen der Menschen, hielt der ehemalige Mittelstreckenprofi Stefan Breit fest, der heute am Gottlieb Duttweiler Institut forscht. Der Begriff «Offenheit» sei «extrem individuell» und zudem möglichst wertfrei zu betrachten.

«Die Einteilung der Menschen in ‘jung’ und ‘alt’ anhand einer Grenze von 64 oder 65 Jahren ist der grösste Fehler, den sich die Politik geleistet hat», zeigte sich Burkart überzeugt. Ein starres Renten­alter habe eine Signalwirkung auf die gesamte Gesellschaft. Eine steigende Lebenserwartung sei ja eigentlich erfreulich, doch es fehle oft an Respekt für ältere Menschen. «Mit Begriffen wie ‘alte weisse Männer’ oder ‘Umweltsau’ die Verantwortung für jegliche Missstände den Älteren zuzuschanzen, ist vor allem eines: Eine bizarre Diskussion, die niemandem etwas bringt.»

Für Stark ist es «ein Fehler, dass die Lebens­er­wartung bisher nicht in die Diskussion ums Rentenalter einbezogen worden ist». Die Schweiz müsse wegkommen von einem starren Rentenalter und die Arbeitswelt flexibler gestalten: Mit einer Richtgrösse, die flexibel gehandhabt werde, mit mehr Teilzeitarbeit auch nach 64 oder 65 Jahren, tieferen BVG-Sätzen für ältere Arbeitnehmer – aber nicht einer Überbrückungsrente. «Das wäre der völlig falsche Weg», sagte Stark, «und würde den Fachkräftemangel und die Abhängigkeit von der Zuwanderung noch verstärken». Besser seien verstärkte Anreize: «Es muss sich für die Wirtschaft lohnen, ältere Arbeitnehmende zu beschäftigen».

Paganini warf die Frage auf, ob und wie lange es bezahlbar bleiben werde, dass Menschen «bloss 40 von möglichen 100 Lebensjahren aktiv zur Wert­schöpfung beitragen». Dabei sieht der per Ende Mai abtratende Olma-Direktor aber auch die Mitarbeitenden selber in der Pflicht: «Sie müssen akzeptieren, dass ihre Rollen sich ändern, dass Löhne auch sinken können und dass Qualifi­kationen à jour zu halten sind.»

Die mögliche künftige SP-Co-Präsidentin Meyer wehrte sich dagegen, die steigende Lebens­er­wartung bei der Diskussion ums Rentenalter fix miteinzubeziehen. «Wer lebt wie lange?», fragte sie mit Blick darauf, «dass es sich gut Ausgebildete eher leisten können, früher in Rente zu gehen als Bauarbeiter oder Coiffeusen». Man müsse sich von der Idee lösen, nur Erwerbsarbeit sei wertvolle Arbeit – und eine Überbrückungsrente für ältere Arbeitslose sei zwingend.

Die Grüne ETH-Maschineningenieurin Ryser schliesslich plädierte dafür, auch Freiwilligen- und Teilzeitarbeit stärker zu schätzen und die Arbeit über die gesamte Lebensspanne zu betrachten. «Wir müssen Optionen offenhalten, gemischte Teams fördern – und anerkennen, dass die Diskussion ums Rentenalter keineswegs nur eine mathematische, aber sehr wohl eine politische ist.»


Mittagsplausch auf dem Eis

Am Donnerstagmittag standen Spiel und Plausch auf dem Programm. Wer wollte konnte sein Geschick auf dem Eisfeld beim Eisstockschiessen im Sportzentrum von Klosters versuchen oder bei einem feinen Apéro, gesponsert vom Bündner Gewerbeverband, sein Netzwerk pflegen. Strahlendes Winterwetter sorgte für gute Laune.


Freitag, 14. Januar 2022

Digitalisierung: KMU mit Nachholbedarf

Welche digitalen Fähigkeiten finden sich in KMU, welche sind noch nicht vorhanden? Darum drehte sich in Klosters ein Gespräch zwischen Jeremias Meier, Gründer und CEO der Business-Software-Plattform Bexio und Henrique Schneider, beim Schweizerischen Gewerbeverband sgv zuständig fürs Thema Digitalisierung.

Sechs Jahre nach der Gründung vertrauen bereits mehr als 25'000 Schweizer KMU der Plattform Bexio. «Unsere Kunden sind keine IT-Profis», sagte Meier. «Dank unserem Support können sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und haben mehr Zeit für ihre Kunden.» Meier ortet bei den KMU ein «enormes Potenzial» in Sachen Digitalisierung: bis zu 70 Prozent aller Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden seien noch nicht digitalisiert.

«Es muss jetzt rasch gehen»

Ein vom sgv initiierter Workshop mit KMU-Ver­tretern im November 2019 hat aufgezeigt: Das Interesse am Thema Digitalisierung ist gross. Kleine Firmen wollen hier vorwärtsgehen – oft wissen sie aber nicht, was genau sie tun sollen respektive dürfen. «Es ist die Aufgabe jedes einzelnen Unter­nehmers, seine Firma für die digitale Zukunft fit zu machen», sagte Schneider.

Branchenlösungen könnten weiterhelfen; vor allem aber sei noch viel zu tun betreffend die Aufklärung: «Welche Anpassungen sind nötig, welche Aufbe­wahrungsfristen gelten wo, wie funktioniert eine elektronische Unterschrift?» Hier setze sich der Gewerbeverband aktiv ein. Bis zum Frühjahr werde der sgv mit einem Forderungskatalog ans Wirtschaftsministerium WBF herantreten und dadurch mithelfen, KMU den dringend nötigen Schritt in die Digitalisierung zu erleichtern.

Denn die Anpassung an die neuen Realitäten müsse nun rasch vorangehen. «Die Schweiz darf sich hier nicht mit dem Mittelmass zufrieden geben», sagte der Bexio-Gründer, «sonst schmelzen unsere wirtschaftlichen Vorteile bald weg.» Am Beispiel des Smartphones oder der digitalen Fotografie werde klar: «Lange kann scheinbar wenig passieren, aber dann geht alles sehr schnell.» Der immer globaler werdende Wettbewerb betreffe auch hiesige KMU. «Deshalb muss heute brach liegendes Potenzial erkannt und etwa die Kommunikation mit der Verwaltung möglichst rasch vereinfacht werden.»

Diese Ansicht vertrat auch Martina Hirayama vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI. «Mit der Plattform digitalinform.swiss unterstützt der Bund Schweizer Firmen in ihren Anstrengungen zur Digitalisierung.»

«Die Schweiz muss sich in Sachen Innovation nicht verstecken, und es besteht keinerlei Grund für Minderwertigkeitskomplexe», stellte IT-Unter­nehmer Grüter klar. Unser Land werde als Forschungsstandort immer attraktiver, und «zahlreiche extrem innovative Kleinfirmen werden von Grosskonzernen aufgekauft: Hier findet sehr wohl Innovation statt.» Selbstkritisch stellte Grüter aber auch fest: «Die IT-Industrie hat es zu lange verschlafen, Nachwuchs auszubilden – und die Internationalen verstehen oft gar nicht, was wir hier eigentlich tun und wie Berufsbildung funktioniert.» Zudem würde der Industrie gut ausgebildete Frauen fehlen.

Für Neo-Nationalrat und Unternehmer Silber­schmidt «muss die Schweiz selber ein Label sein». Innovation dürfe nicht mit Digitalisierung gleichgesetzt werden, und Fachhochschulen müssten endlich auch lehren, wie Unternehmen gegründet würden. Wichtig sei, dass keine übertriebenen Regulierungen die unterneh­merische Freiheit beschränkten, keine zu hohen Hürden für ausländische Fachkräfte aufgebaut würden und genügend Risikokapital bereitstehe.

SP-Vertreterin Locher plädierte dafür, dass die Politik das Risiko eines unternehmerischen Scheiterns abfedern solle; einer generellen Lockerung des Arbeitsgesetzes stehe sie aber kritisch gegenüber. Anders JCVP-Präsidentin Bünter: «Das aus dem Jahr 1966 stammende Arbeitsgesetz ist für junge Firmen – gerade auch im Bereich Digitalisierung – ein Problem. Es muss dringend den heutigen Gegebenheiten angepasst werden.»

«Pushen Sie Ihre Enkel ins Handwerk»

«Digitalisierung ist bei weitem nicht nur ein technologisches Phänomen», sagte Thomas Straubhaar, Professor für Internationale Wirtschafts­be­ziehungen an der Universität Hamburg zum Abschluss der Gewerblichen Winterkonferenz. Der Megatrend verändere die Gesellschaft nicht nur technisch, sondern auch kulturell, sozialökonomisch, oder kurz gesagt: komplett. Denn die Digitalisierung sei weit mehr als nur «eine alte Welt mit Internetanschluss».

In gewissen Bereichen werde vermeintliche Science Fiction zur Wirklichkeit. Was hat schon die Fortpflanzung mit Digitalisierung zu tun? «Reproduktion durch Sex wird in der Zukunft als Risiko für die Kinder betrachtet», so eine These des renommierten Professors. Schliesslich könne die Fortpflanzung auch durch künstliche Befruchtung realisiert werden.

Mit diesen Daten wird gearbeitet. «Wenn Sie es auf die Spitze treiben wollen, bedeutet Digitalisierung Individualisierung», so Straubhaar. «Im Guten wie im Schlechten.» Dies beginne bei der Geburt und gehe über den eigenen Tod hinaus, Stichwort Organspende.

Individualität entstehe durch die Durchsichtigkeit der Gesellschaft und der einzelnen Menschen. Straubhaar sprach vom «gläsernen Kunden». «Wer online unterwegs ist, kriegt individuelle Preise. Früher ging man in den Laden und der Preis war für alle derselbe, ausser Sie waren ein ausseror­dentlich treuer Kunde», erklärte Straubhaar. Heute bezahlten bereits viele Kunden die online einkaufen individuelle Preise. Weil sie gläserne Kunden seien, alle Daten gesammelt würden. Ob man es wolle oder nicht: «Big Brother ist watching you.»

Präsentationen / Referate

12. Januar 2022
  • «Allianz für die Stärkung der Sozialpartnerschaft» - Casimir Platzer, Präsident GastroSuisse (Powerpoint / PDF)
13. Januar 2022
  • «Tradition, Wandel und Digitalisierung: Was muss Bildung leisten?» - Martina Hirayama, Staatssekretärin SBFI (Powerpoint / PDF)
  • «Digitalisierung: Wieso alte Ideologien nicht weiterhelfen, sondern neue Konzepte nötig werden!» - Prof. Dr. Thomas Straubhaar, Universität Hamburg (Powerpoint / PDF)
14. Januar 2022

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