Gewerbliche Winterkonferenz in Klosters: «Schweiz als kleines Land besonders verwundbar in der Weltwirtschaft»
Globale Umwälzungen fordern Schweizer KMU heraus. Gleichzeitig wirkt die Vielfalt des Gewerbes stabilisierend auf die Schweizer Wirtschaft. Für die nötigen Anpassungen braucht es unternehmerische Freiheiten und einen breit diversifizierten KMU-tauglichen Marktzugang. So lautet das Fazit der Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters.
Massnahmen wie der Einsatz von Zöllen und weiteren Handelshemmnissen werden international zunehmend als legitime Instrumente betrachtet. Für die Schweiz stellt dies eine Herausforderung dar, erklärte Reto Föllmi, vom Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität St. Gallen, anlässlich der Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters.
Als rohstoffarmes Land mit kleinem Binnenmarkt, exponierter geografischer Lage und hoher Spezialisierung in Industrie und Dienstleistungen ist die Schweiz stark vom internationalen Handel abhängig. Ihre traditionelle Blockfreiheit sowie enge internationale Verflechtungen führen zu einer «naturgegebenen» Auslandsorientierung und -abhängigkeit bei Handel und Investitionen.
Schweiz wird in kürzester Zeit von sehr unattraktiv zu sehr attraktiv
Nicola Tettamanti, Tessiner Unternehmer und Präsident von Swissmechanic, verdeutlichte in seinem Referat die Dynamik der globalen Märkte: «Heute kann die Schweiz innerhalb von sieben Monaten von einem der unattraktivsten Länder für US-Importe (31%, später 39%) zum attraktivsten mit nur 6,7% Zöllen werden.»
Globalisierung bringt externe Konkurrenz, interne Widerstände und ungleiche Chancen – und weckt zugleich das uralte Verlangen nach Schutz, Sicherheit und dem Motto: «My country first», fasste Christoph Frei, Publizist und Professor für Politikwissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Internationalen Beziehungen, die aktuelle Situation zusammen. Und Christoph Eisenring, Leiter Forschung und Programme bei Avenir Suisse, forderte, dass staatliche Konkurrenz zur Privatwirtschaft beendet werden müsse: «Auf Kantons- wie auch auf Bundesebene sollte der Staat optimale Rahmenbedingungen schaffen und nicht mit Unternehmen konkurrieren.» Die Vielfalt der KMU sei einer der wichtigsten Trümpfe der Schweiz.
Gute Rahmenbedingungen sind für die Schweizer KMU zentral
Diese Einschätzung teilt Botschafter Ivo Germann, Leiter der Direktion für Aussenwirtschaft beim Staatssekretariat für Wirtschaft SECO. Gute Rahmenbedingungen seien für die Schweizer Wirtschaft zentral – dazu gehörten unter anderem: die Stärkung des Multilateralismus, die Priorisierung von Handelspartnern, diversifizierter Marktzugang, und eine digitalisierte Wirtschaft.
Die Schweiz steht damit in einem komplexen globalen Umfeld vor der Herausforderung, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig die Grundlage für nachhaltiges Wachstum der KMU zu sichern. In diesem Kontext steht auch die differenzierte Haltung des Schweizerischen Gewerbeverbands zu den neuen EU-Verträgen und den entsprechenden innenpolitischen Umsetzungsmassnahmen. Eine Zustimmung des sgv zu den neuen Verträgen hängt von verschiedenen Bedingungen ab, unter anderem von einem KMU-Entlastungsprogramm. Dies hat die Schweizerische Gewerbekammer beschlossen. Eine endgülte Beurteilung erfolgt nach Abschluss der parlamentarischen Beratungen.
Weitere Auskünfte
Simone Hinnen Wolf
Leiterin Kommunikation und Kampagnen
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