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Bildungsfeindliche Schweiz? So nicht Professor Sarasin!

13. Oktober 2011

Medienmitteilung

Soeben von den Berufsweltmeisterschaften als drittbeste Nation der Welt zurückgekehrt, sind die Aussagen von Professor Ph. Sarasin ein Schlag ins Gesicht für über 60 Prozent unserer werktätigen Bevölkerung. Im Artikel im Tagesanzeiger online vom 11. Oktober fordert der Herr Professor eine massive Förderung der gymnasialen und unversitären Bildung. Seine Haltung gegenüber Berufsleuten und der Berufsbildung im allgemeinen kann man nur als elitäre Verachtung bezeichnen, wenn er behauptet Zitat „Die grosse Mehrheit der Jugendlichen, die mit ihrer Berufsbildung und Berufsarbeit zum Teil schon weit vor dem zwanzigsten Lebensjahr beginnt, bezahlt dafür nicht selten den Preis einer bloss rudimentären Bildung“ Zitatende.

Einer unserer Experten bringt es treffend auf den Punkt: Wer auf eine massive Erhöhung der akademischen Abschlüsse setzt sollte vorgängig folgende Fragen beantworten

  • Wer behebt eine elektrische Störung?
  • Wer verlegt Ihre Platten im Badezimmer?
  • Wer repariert Ihr Auto?
  • Wer pflegt Ihren Garten?
  • Und wer bedient Sie in einem exklusiven Restaurant?

In all diesen Tätigkeiten haben wir ausgebildete Berufsleute und jetzt sogar Weltmeister! Länder wie Finnland oder Grossbritannien mit hohen Akademikerquoten haben erkannt, dass sie ihr Land nicht vorwärts bringen ohne gut ausgebildete Berufsleute. Nicht umsonst hat Premier Cameron in der Woche der Berufsweltmeisterschaften in London bekannt gegeben, dass ab nächstem Jahr die Studiengebühren auf 9‘000 Pfund pro Semester erhöht werden, damit eine Selektion stattfinden kann. Dies mag zwar nach unserem Bildungsverständnis, dass alle die gleichen Chancen haben sollten, nicht ganz fair sein. Es zeigt aber, dass die britische Regierung nicht länger bereit ist, arbeitslose Studienabgänger durchzufüttern, sondern vermehrt auf den Arbeitsmarkt hört, der schon seit langer Zeit nach „skilled people“, also gut ausgebildeten Fachkräften und Berufs­leuten ruft.

Für den sgv ist klar, dass man nicht das eine System gegen das andere ausspielen darf. Wenn man jedoch die Finanzierung anschaut, so ist das Missverhältnis zwischen subventionierten Schulen und der nur mit guten Worten unterstützten Berufsbildung so krass, dass auch in der Politik der entspre-chende Handlungsbedarf wahrgenommen wurde. Ausschlaggebend für die Berufswahl sollen aber immer noch Neigung und Eignung sein und dies beginnt mit einer frühzeitigen Berufswahlvorbereitung. Dass dabei der gymnasiale Weg zu einer Sackgasse führen kann, ist eine Tatsache, welche bis jetzt noch niemand gewagt hat, offen auszusprechen. Was passiert denn, wenn ein 6.-Klässler ins Langzeit-Gymnasium kommt, sich dort mühsam durchkämpft und ein Jahr vor der Matura aus der Klasse fällt? Er ist als Verlierer gebrandmarktet und hat eine schwierige und unsichere Zukunft vor sich. Ist dies wirklich der bessere Weg, als im Alter von 15 Jahren eine Berufsausbildung zu wählen, welche drei Jahre dauert und nach deren Abschluss man eine gesuchte Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt ist?

Verglichen mit anderen Ländern haben wir das grosse Glück, ein gesamtheitliches Bildungssystem zu haben, in welchen man in allen Bereichen gute Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten hat. Die Durchlässigkeit ist auf alle Seiten gegeben und ein Ausspielen des einen Weges gegen den anderen ist nicht nur fehl am Platz, sondern beinhaltet das Potenzial, unserem Bildungssystem grossen Schaden zuzufügen.

 
Weitere Auskünfte
Hans-Ulrich Bigler, Direktor, Tel. 031 380 14 14, Mobile 079 285 47 09
Christine Davatz, Vizedirektorin, Tel. 031 380 14 23, Mobile 079 409 47 74


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