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66. Gewerbliche Winterkonferenz:
KMU im internationalen Umfeld

Parkhotel Silvretta Klosters 14. – 16. Januar 2015

Die 66. Gewerbliche Winterkonferenz fand vom 14. bis zum 16. Januar 2015 in Klosters statt. Eröffnet wurde diese durch sgv-Präsident Jean-François Rime, der im heissen Stuhl nicht nur die gewerbliche Standortbestimmung machte, sondern auch über die Herausforderungen im Wahljahr 2015 sprach (Moderation: Markus Häfliger, Leiter Bundeshausteam NZZ).

Der Donnerstag Vormittag stand ganz im Zeichen der Beziehung der Schweiz zur EU: Das Referat "Die EU - gestern nötig, heute schrötig, morgen unnötig" von Beat Kappeler und die anschliessende Podiumsdiskussion mit Ständerat Pirmin Bischof, Nationalrat Toni Brunner, Nationalrätin Barbara Gysi und Nationalrat Philippe Müller zum Thema "Schweiz - EU: Isolation oder Integration" (Moderation: Roger Köppel, Chefredaktor Die Weltwoche) brachte spannende Einblicke und pointierte Stellungnahmen.

Abgeschlossen wurde der Donnerstag mit Beiträgen zum Thema "Chance Export - Gratwanderung zwischen Kulturen". Mit Spannung erwarten wurde das Referat "Von Fettnäpfchen und Knigge – Korrekter Umgang mit Stakeholdern" von Prof. Dr. iur Christine Kaufmann von der Universität Zürich.





Der Freitag Vormittag war den bilateralen Beziehungen Schweiz - China und den Chancen und Möglichkeiten, welche sich für KMU mit dem Freihandelsabkommen eröffnen, gewidmet. Unternehmer berichteten von praktischen Erfahrungen und "lessons learnt".

Den Abschluss der 66. gewerblichen Winterkonferenz machte S. D. Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein, der seine Gedanken zur Rolle des Staats im 3. Jahrtausend präsentiert.

Auch dieses Jahr war die gewerbliche Winterkonferenz für Persönlichkeiten aus KMU-Wirtschaft und Politik eine ausserordentliche Gelegenheit zum Networking und anregenden Gedankenaustausch.


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News aus Klosters

Mittwoch, 14. Januar 2015

“Klosters 2015” in vollem Gang

Die 66. Gewerbliche Winterkonferenz in Klosters des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv hat begonnen. Zum Auftakt des Wahljahrs 2015 eröffnete sgv-Präsident Nationalrat Jean-François Rime «Klosters» am Mittwoch, 14. Januar, nicht mit einer traditionellen „Standortbestimmung“ in Form einer Rede. Erstmals liess sich der Gewerbepräsident auf dem «heissen Stuhl» von Markus Häfliger, dem Leiter Bundeshausteam der NZZ, auf den Zahn fühlen.



Als Highlights der jüngeren Vergangenheit bezeichnete Rime die gewonnenen Abstimmungen gegen linke Forderungen wie die 1:12-Initiative, die Mindestlohn-Initiative und die Abschaffung der Pauschalbesteuerung: “Hier haben wir sehr gute Arbeit geleistet.” Ein Tiefpunkt war für den Freiburger die Debatte über die Energiestrategie 2050: “Diese ist bisher eine echte Katastrophe für die Wirtschaft und wird uns in eine Sackgasse führen.” Versorgungsprobleme und teure Energiepreise seien vorprogrammiert, falls nicht noch wesentliche Korrekturen vorgenommen würden. Allerdings gibts sich Rime keinen Illusionen hin: “Der Ständerat wird hier kaum grössere Verbeserungen hinkriegen.”

Hoffnung auf die Oktober-Wahlen
Der Gewerbepräsident setzt seine Hoffnungen auf die eidgenössichen Wahlen vom kommenden Oktober: “Wir müssen mehr Unternehmer finden, die sich auf Bundesebene für die KMU einsetzen!”

Er selber wird wieder als Nationalrat kandidieren. “Bestimmt aber werde ich nicht mehr Bundesratskandidat sein”, winkt der bald 65-Jährige ab.

Für enorm wichtig hält Rime die Abstimmung über die Erbschaftssteuer. “Von allen bisherigen linken Begehren ist dies das Gefährlichste”, ist er überzeugt und gibt auch gleich das Ziel vor: “Diese Abstimmung müssen wir mit mindestens 65 Prozent Nein-Stimmen gewinnen.”



Das Freizügigkeitsabkommen der Schweiz mit China bezeichnet Rime als „gute Sache für beide Länder“. Auch in Indien sieht der sgv-Präsident grosse Chancen, und zu Russland meint er: „Das riesige Land zwischen Europa und Asien war, ist und bleibt wichtig für die Schweizer Wirtschaft.“



Unterhaltende Informationen
Aussenpolitik, das Verhältnis der Schweiz zur EU und die Exportchancen sind denn auch die Themen der heurigen sgv-Winterkonferenz vom 14. bis 16. Januar.

Spannung verspricht der Donnerstag, 15. Januar. Hier wird unter anderem die Diskussion der bürgerlichen Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP) und Philippe Müller (FDP) mit Ständerat Pirmin Bischoff (CVP) mit Vertretern der Linken unter Leitung von «Weltwoche»-Chef Roger Köppel für heisse Köpfe sorgen. Der Nachmittag ist dem Thema „Chance Export – Gratwanderung zwischen den Kulturen gewidmet.



Der Freitag, 16. Januar bietet – ebenfalls unter dem Fokus Export – Best-Practice-Beispiele und belegt, wie international Schweizer KMU 2015 aufgestellt sind.

Zum Schluss der Veranstaltung wird sich kein Geringerer die Ehre geben als Seine Durchlaucht Fürst Hans Adam II. von und zu Liechtenstein. Der prominente Gast wird am Freitagabend den «Staat im 3. Jahrtausend» zum Thema seiner Rede machen.



Die gewerbliche Winterkonferenz ist für Persönlichkeiten aus KMU-Wirtschaft und Politik eine jährlich wiederkehrende, ausserordentliche Gelegenheit zum Networking und anregenden Gedankenaustausch.

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Fotos Mittwoch, 14. Januar

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Donnerstag, 15. Januar 2015

Wie viel Nähe zu Europa?

Das Verhältnis der Schweiz zur EU war am Donnerstag, 15. Januar, Thema der 66. Gewerblichen Winterkonferenz des Schweizerischen Gewerbeverbands sgv in Klosters. Staatssekretär Yves Rossier brachte die offizielle Sicht der Dinge ein und stellte fest: “Eine effektive Nähe der Schweiz besteht im Wesentlichen zu vier von 28 Staaten: Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich.” Für die restlichen EU-Länder sei die Schweiz relativ weit weg – und vor allem nicht das dringendste Problem, sagte Rossier mit Blick auf die europäische Schuldenkrise oder den Konflikt um die Ukraine.

Das Ja der Schweiz zur Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar 2014 habe v.a. in den genannten vier Staaten starke Reaktionen ausgelöst und werde als Affront gegenüber den eigenen Bürgern gewertet. Dabei helfe es auch nicht, dass bis zur Umsetzung drei Jahre vergehen sollen: “Das ist wie wenn Sie Ihrer Frau sagen, Sie würden sie betrügen – aber erst in drei Jahren”, kalauerte Rossier und warnte vor bestehenden und anhaltenden Irritationen. “Drei Jahre sind eine kurze Zeit”, meinte der Staatssekretär angesichts der langen Verfahren in der Schweiz und den noch deutlich längeren Wegen in der EU.

In der Schweiz bestehe eine Angst, dass eine zunehmende Integration die Regeln des eigenen Zusammenlebens im Land bedrohe. Am Beispiel von Spaniens Konflikt mit den zentrifugalen Kräften in Katalonien illustrierte Rossier dem gegenüber die Ängste um den Zusammenhalt einzelner Länder, falls den Schweizern “eigene Regeln” zugestanden würden.

Drohender Dammbruch
“Die EU wird die Büchse der Pandora nicht öffnen”, war Wirtschaftspublizist Beat Kappeler mit Rossier einig: “Denn dann droht der EU ein Dammbruch.” Damit aber hatte es sich mit der Einigkeit der beiden Referenten. Das “verfasste Europa”, wie Kappeler das Resultat einer rasant fortschreitenden europäische Integration bezeichnete, wecke bei den Befürwortern “fast schon heilgeschichtliche Erwartungen”. Die aus dem Jahr 1958 stammende Präambel eines immer engeren Zusammenschlusses (“the ever closer union”) gelte absolut, das anti-liberale Opferdenken und seine Verrechtlichung schritten in der EU stets weiter voran.



Statt die Selbstverantwortung mündiger Bürger stehe dabei eine zunehmend kollektivistisch geprägte “Politik linker Approaches” im Vordergrund, die Bürger in erster Linie als Opfer betrachte, die es zu schützen gilt. Schutzregeln würden ausgebaut, Beweislasten umgekehrt, Verträge nachträglich annullierbar gemacht, kurz: “Das anwaltschaftliche Denken hat Hochkonjunktur.”

Mangel an Legitimation
Durch wiederholte Rechtsbrüche habe sich die EU selbst verraten, und die zunehmende Überschuldung im Euro-Raum habe zu einer gigantischen Fehlallokation von Kapital geführt, so Kappeler weiter. Das Resultat: “Europaweiter Unfrieden zwischen dem Norden und dem lateinisch/griechischen Süden, ein Mangel an Legitimation und zunehmender Zynismus unter den Bürgern.”

Die Schweiz solle sich gegen die “Übernahme des ganzen Harmonisierungsteppichs” sträuben und kein Rahmenabkommen mit der EU anstreben, denn grosse Teile einer nötigen, vor allem wirtschaftlichen Harmonisierung seien bereits durch WTO- und GATT-Regeln abgedeckt. “Die Beziehungen der Schweiz mit der Welt und der EU sind schon heute auf Augenhöhe”, meinte Kappeler, Die Skeptiker gegen eine weitere Zentralisierung seien demnach “die wahren Europäer”.

Umstrittene Personenfreizügigkeit
Die anschliessende Diskussion unter Leitung von «Weltwoche»-Chef Roger Köppel bestritten die Parteipräsidenten Toni Brunner (SVP) und Philippe Müller (FDP), Ständerat Pirmin Bischoff (CVP) und Nationalrätin Barbara Gysi (SP). Brunner wehrte sich gegen Referent Kappelers Aussage, Verhandlungen über die Personenfreizügigkeit (PFZ) mit der EU seien „ein Wahn“. Notfalls sei auch eine Kündigung der PFZ denkbar: „Schon oft wurde der Teufel an die Wand gemalt“, sagte Brunner und erinnerte daran, dass auch die EU gegenüber der Schweiz wiederholt als Bittstellerin auftrete.



Die Wirtschaft brauche die bilateralen Verträge, hielt Müller dagegen: „Oder wie sollten wir denn ohne das Schengen-Abkommen funktionieren?“, fragte er angesichts von täglich 1,3 Millionen Grenzübertritten und 700‘000 Fahrzeugen.



Bischoff unterstrich, dass die EU „eine Realität“ und die Schweiz auf gute Beziehungen zu ihr angewiesen sei. Und Gysi meinte sogar: „Die Schweiz steht als Beispiel für ein besseres Europa.“

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Prof. Dr. Christine Kaufmann von der Universität Zürich veranschaulichte am Donnerstagnachmittag der 66. Gewerblichen Winterkonferenz wie sich KMU möglichst effizienten im internationalen Umfeld bewegen und der Export zur Chance und nicht zur Gratwanderung zwischen den Kulturen wird. Unter dem Titel „ Andere Länder – andere Sitten: Erfolgreicher Umgang mit Stakeholdern“ stellte sie einen sogenannten „Knigge“ für im Export tätige KMU zusammen. Anhand eines Fallbeispieles – ein KMU produzierte in Indien Zivilschutzkleider im Rahmen eines kantonalen Beschaffungsprojektes und erntete dann negative Schlagzeilen – demonstrierte Kaufmann, mit welchen regulatorischen Eigenheiten  ein KMU bei seiner internationalen Tätigkeit konfrontiert werden kann.

„Der Umgang mit Stakeholdern muss gelernt sein und darf nicht dem Zufall überlassen werden“, warnte Kaufmann und gab zu bedenken, dass das regulatorische Umfeld für KMU sehr unübersichtlich sei. Der rote Faden darin sei, die Sorgfaltspflicht. Gemeint sei damit das unternehmerische Risiko zu vermeiden. In diesem Zusammenhang erwähnte sie auch zwei neue Instrumente – die Uno Leitprinzipien zu Wirtschaft und Menschenrechte sowie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, welche in vielen Ländern angewandt würden und deren sich auch KMU nicht mehr entziehen könnten.

Nicht in Details verbeissen
Zu den grossen Herausforderungen für international tätige KMU zählte die Fachfrau des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte (SKMR) eine unübersichtliche Vielfalt an verbindlichen Regeln, rechtlich unklar formulierte „Erwartungen“, freiwil-lige Standards sowie unterschiedliche Kultur- und Rechtsverständnisse.  „Für KMU ist es oft schwierig, an die entsprechende Informationen zu gelangen und deren Zuver-lässigkeit zu beurteilen. Ein Ja bedeutet nicht im jedem Landen ein Schweizer Ja“, so Kaufmann.

Sie riet exportorientierten KMU beim Handel und Produktion im Ausland, in erster Linie sich nicht in Details zu verbeissen: „Sehen Sie neue Entwicklungen als Chance an, schonen sich Ressourcen und gehen Sie proaktiv vor, dies ermöglicht Ihnen auch zukünftige Rahmenbedingungen mitzugestalten.“ Ganz wichtig sei es für KMU zu wissen, in welchem Umfeld man sich bewegen möchte. „Entscheiden Sie selber, was sie als Unternehmen verantworten können“ , betonte Kaufmann.  Eine zuverlässige Informationsquelle sei zentral, ebenso wie der regelmässige Austausch mit (inländischen) Stakeholdern. „Für einen erfolgreichen Umgang mit Stakeholdern genügt es nicht, sich allein auf juristische Anforderungen abzustellen“, sagte Kaufmann.

Kontrast zwischen Hightechnation und Schwellenland
Chancen und Herausforderungen für die Schweizer KMU im Reich der Mitte zeichnete Kurt Haerri, Leiter globale Geschäftsprozesse & Montagen für Neuanlagen bei der Schindler Management AG auf. China ist auf der Überholspur  – bevölkerungsmässig, aber auch wirtschaftlich in vielen Branchen.  „China ist ein Kontrast zwischen Hightechnation und Schwellenland“, so der versierte Chinakenner.  So hat China beispielsweise den Anteil am globalen BIP  zwischen 1978 und  2010 von 1,8 auf 9,3 Prozent gesteigert.

Beeindruckend in die Höhe geschnellt ist 2010 auch das Aussenhandelsvolumen auf 2974 Milliarden  US-Dollar. China ist als globaler Ze-mentverbraucher  mit 3,6 Milliarden Tonnen  beziehungsweise rund 60 Prozent jährlich Spitzenreiter. „Mit  einem Jahresbedarf  an 450`000 Neuanlagen von Aufzügen und Fahrtreppen ist China auch auf dem Liftmarkt führend“, betonte der  ehemalige Präsi-dent der Handelskammer Schweiz und ergänzte: „Schindler braucht China, um weltweit konkurrenzfähig zu sein.“ 

Um in China geschäftlich Fuss zu fassen, brauche ein KMU eine klare Strategie. „Klären Sie ab, wie offen ihre Branche in China ist, überlegen Sie sich, welche Geschäftsmodelle Sie nutzen, welchen Teil der Wertschöpfung Sie nach China verlagern wollen und wie Sie chinesische Talente und Führungskräfte erfolgreich im Unternehmen in-tegrieren können“,riet Haerri. Die kulturellen Unterschiede würden von den westlichen Firmen oft unterschätzt. Das chinesische Model basiere stark auf dem Prinzip des „gegenseitigen Nutzen“.

„In der Zusammenarbeit nicht chinesischen Partnern gilt: Alles ist möglich, nichts ist einfach. Die Anfangsphase ist langsam, wenn das Vertrauen einmal da ist, kann es sehr schnell gehen“, so Haerri. Sein Rat: „Hingehen, verstehen und lernen.“ Am meisten Potenzial in China sieht der Verwaltungsrat der Komax Holding AG für die Schweizer KMU in den Bereichen Umweltschutz, Luftreinigungstechnik und Gebäudebau.

Neue unternehmerische Herausforderungen
Die neuen unternehmerischen Herausforderungen in den BRIC Staaten, insbesondere in China, seien höhere Kosten, Konkurrenz durch lokale Firmen sowie das hohe Tempo.  Die Schweizer Antwort darauf sei den neuen globalen Player zu akzeptieren und uns auf unsere Stärken zu besinnen, denn wir hätten die Technologien, die China dringest brauche. Eines unserer wichtigsten Wettbewerbsvorteile sei aber unser herausragendes duales  Berufsbildungssystem. „Wir müssen dieses weiter ausbauen und die Mittel zur Verfügung stellen. Weltklasse in Forschungen Entwicklung ist die Voraussetzung für Innovationen“, betonte Haerri.

Qualifizierung in der Branche vorantreiben
Die Schreinerbranche sei gut aufgestellt. Rund die Hälfte der Mitgliederbetriebe beschäftige zwischen sechs und 20 Mitarbeitende, betonte Daniel Borner, Direktor des Verbandes Schweizerischer Schneidermeister und Möbelfabrikanten VSSM. Er stellte anlässlich der 66. Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters am Donnerstagnachmittag seine Initiative „ BildungPlus“ vor.

„Dieser Wachstumstrend bei den Schreinerunternehmungen  wird sich fortsetzen“, ist Borner überzeugt. Als Gründe nannte er die zunehmende Technologisierung und der damit verbundene Investitionsbedarf. Allerdings wandelten sich die Ansprüche an die Branche und dies betreffe auch die Berufsbildung. „Wir verlieren bereits während der Ausbildung 20 Prozent der Lernenden.

Im Alter zwischen 20 und 30 wandern rund weitere 20 Prozent der Fachkräfte  in andere Branchen ab. Unsere Unternehmer haben Mühe ausreichend Fach- und Führungskräfte zu rekrutieren und nur 45 Prozent der Führungskräfte haben jemals eine Führungsausbildung absolviert“, so Borner. Angesichts des steigenden Wettbewerbs  von aussen und des Fachkräftemangels müsse man handeln. Deshalb wolle der VSSM die Aus- und Weiterbildung vorantreiben und habe sich für die Legislatur 2015 - 2018 die Weiterbildung als strategischer Erfolgsfaktor auf die Fahne geschrieben. „Wir wollen junge Leute rechtzeitig motivieren und ihre Schreinerzukunft an die Hand nehmen. Wir wollen keine amerikanische Handwerkerverhältnisse schaffen“, brachte es Borner auf den Punkt. Und nicht zu letzt müsse es auch gelingen, die Unternehmer selbst davon zu überzeugen, ihr Wissen mit regelmässigen Updates zu pflegen und das Thema Mitarbeiterförderung in ihrem Unternehmen systematisch zu betreiben.

Gemeinsam am selben Strick ziehen
Diese Mobilisierung der Mitglieder sieht der VSSM als eine Bildungsreise in drei Etappen: „Wir können die zukünftigen Herausforderungen der Branche bezüglich dieses Themas nur gemeinsam lösen“, sagte Borner. An regionalen Veranstaltungen soll den Unternehmern deshalb aufgezeigt werden, „welchen Wert eine systematische Mitarbeiterförderung für das Unternehmen hat und wie diese auf einfachem Weg erreicht werden kann.“

Sogenannte Bildungsbotschafter sollen gezielt Unternehmer und Mitarbeitende beraten und coachen und Potenzialträger über die Bildungslandschaft und ihre Karrieremöglichkeiten in der Branche orientieren. „Wenn wir am Ende dieser Reise angekommen sind, hoffen wir, dass unsere Mitglieder erkannt haben, dass Weiterbildung sowie die Förderung der Mitarbeitenden, ein strategischer Erfolgsfaktor unserer Branche ist“, so Borner. Er ist überzeugt: „Unser Kundschaft zahlt einen guten Preis, wenn sie weiterhin auf eine qualitativ hochstehende Arbeit und einen guten Service zählen kann.“

Neuer SIU-Lehrgang
Hans Peter Baumgartner, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Schweizerischen Institutes für Unternehmerschulung SIU, stellte in seinem Referat die strategische Optionen für KMU in den Mittelpunkt: „Das Tagesgeschäft kennen wir alle bestens. Bei mittelfristigen Entwicklungen können wir noch intuitiv navigieren, aber bei langfristigen Prognosen kommen wir  oft ins Schleudern. Deshalb gehört es für ein KMU zur unternehmerischen Verantwortung über strategische Optionen nachzudenken“, erklärte Baumgartner.

Dies gerade im Hinblick auf neue Absatzmärkte, geografische Diversifikationen oder auf eine erweiterte Wertschöpfungskette. „Nur so kann ein KMU auf dem Markt flexible bleiben und die Gewissheit haben, auch in zehn Jahren entsprechend reagieren zu können. Dabei verwies er auf den neuen Lehrgang «Eidg. dipl. Unternehmensleiter/-in KMU», der seinen Fokus auf  die strategische Unternehmensführung richtet und nahtlos an die Ausbildung „Fachmann/frau Unternehmensführung“ mit eidg.Fachausweis anschliesst.

Starker Bildungspartner
Das SIU als  Kompetenzzentrum von Schweizer Gewerbe- und Berufsverbände für die betriebswirtschaftliche Weiterbildung von Führungskräften im KMU hat neu mit der Richemont Fachschule einen starken Bildungspartner gefunden. Die beiden Bildungsanbieter werden künftig Berufsleute der Branche der Bäckerei-Konditorei -Confiserie auf die Höhere Fachprüfung (HFP) vorbereiten. Neu ist das SIU zudem auch im Tessin tätig.


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Fotos Donnerstag, 15. Januar

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Freitag, 16. Januar 2015

Die Schweiz steht in China für Innovation

“Beim Freihandelsabkommen mit der Schweiz, das seit dem 1. Juli 2014 in Kraft ist, handelt es sich um das erste derartige Abkommen in Europa und das umfassendste, das China bisher abgeschlossen hat: Ein echter Meilenstein.” Dies sagte Xia Ling, Chefredaktorin der China Business Times, am Freitag an der 66. Gewerblichen Winterkonferenz des sgv in Klosters.

Ihr 1989 gegründetes Blatt ist nicht bloss eine einflussreiche Zeitung, sondern zudem eine Brückenbauerin und eine Plattform, die – auch Schweizer – Unternehmen das Fussfassen in China erleichtern kann. Dahinter steht die 1953 gegründete All-China Federation of Industry and Commerce, Chinas grösster Handels- und Industrieverband mit Mitgliedern aus allen Branchen.

Hoch angesehene Schweiz
Die Schweiz geniesse im Reich der Mitte v.a. für ihre Innovationsfähigkeit einen ausgezeichneten Ruf, so Xia Ling. Deshalb stehe unser Land – nach den USA und Deutschland – auf der Top 3-Liste chinesischer Investoren. Schweizer Markenprodukte geniessen in China einen exzellenten Ruf und sind seit Jahrzehnten Synomyme für Qualität und Vertrauen. “Auf das Label ‘Swiss made’ ist man bei uns ganz einfach stolz.”

Der riesige, rasant wachsende chinesischen Markt biete innovativen Schweizer Unternehmen – insbesondere auch den KMU – ungeahnte Chancen. Allerdings müsse man sich bewusst sein, so Xia Ling, dass die Epoche der Billigprodukte vorbei sei: “Innovation und Dienstleistungsorientierung sind heute in China ebenso wichtig wie in der Schweiz.”

“KMU garantieren Stabilität”
KMU seien wichtige Kräfte für die ökonomische und soziale Entwicklung des Milliardenreichs und garantierten Stabilität. Mit einem Steueraufkommen von 50 Prozent, einer Patentquote von 60 Prozent, als Anbieter von 80 Prozent der Arbeitsplätze und einem Anteil von 99 Prozent aller Betriebe seien KMU nicht nur die dynamischte Gruppe von Unternehmen, sondern schlicht unverzichtbar für das chinesische Wachstum.

Bereits sind laut Xia Ling rund 400 Schweizer Firmen mit 900 Niederlassungen in China aktiv. Die Schweiz ist Chinas grösster Handelspartner in Europa; China andererseits der grösste Handelspartner der Schweiz in ganz Asien.

“Richtige” Partner finden
Der “Herausforderung China” stellt sich die Swiss Licht AG aus dem sanktgallischen Niederbüren. In China lässt sie u.a. LED-Leuchten für Strassen und Tunnel herstellen. Swiss Licht-Gründer Matthias Gering nutzt China als Beschaffungs-, Europa als Absatz- und die Schweiz als Testmarkt und ist seit über zehn Jahren auf dem chinesischen Markt tätig.

Um in China Erfolg zu haben, empfiehlt Gering, lokale Dolmetscher, idealerweise mit technischem Know-how beizuziehen. Persönliche, ausdauernd zu pflegende Kontakte seien ebenso unerlässlich wie eine Überwachung der Qualität vor Ort und möglichst aus laufender Produktion. Vorlaufzeiten von bis zu 15 Wochen erlaubten termingerechte Transporte. Das Wichtigste aber: “Schweizer KMU müssen lernen, Hilfe anzunehmen.” Nur durch die Auswahl der richtigen, lokalen Partner sei ein erfolgreicher Marktzutritt im Reich der Mitte überhaupt erst möglich.

Offenheit und Respekt
Wie wichtig es ist, in China Beziehungen zu pflegen, unterstrich auch Daniel Frutiger von der Zaugg AG im bernischen Eggiwil. “Trinken, Essen, Reden, Sitzen… –  da müssen wir durch”, sagte der Produzent von Schneeräumfahrzeugen und von Maschinen zur Präparierung von Snowboard-Halfpipes. Schweizer Unternehmen sollten nur solche Mitarbeitende nach China schicken, die auch den nötigen Respekt und die Offenheit für die Kultur des Landes hätten.

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Moderne Staatskunst als Krönung

Schluss- und Höhepunkt  der erfolgreichen 66. Gewerblichen Winterkonferenz war der Auftritt eines ganz besonderen Gastes: Seine Durchlaucht Fürst Hans-Adam II von und zu Liechtenstein schilderte seine Überlegungen zum „Staat im dritten Jahrtausend“ und gab so eine Leseprobe aus seinem  gleichnamigen Buch. Er erforscht dabei Strategien wie im dritten Jahrtausend auf der ganzen Welt demokratische konstitutionelle Staaten verwirklicht werden können. In seinen Augen sollten die Staatsbürger nicht länger als Diener des Staates, sondern der Staat sollte in ein Dienstleistungsunternehmen verwandelt werden, das den Menschen zu ihrem Wohle dient.

„Es verbleibt beim Staat meiner Meinung nach nur mehr erstens die Aussenpolitik, zweitens die Aufrechterhaltung des Rechtstaates, drittens das Bildungswesens und viertens die Staatsfinanzen. Alle anderen Aufgaben lassen sich durch die Privatwirtschaft oder auf Gemeindeebene besser und billiger lösen“, so Fürst Adam. Seine Forschungen über Regierungsformen sind umfassend und beinhalten auch seine Analyse von direkter und indirekter Demokratie, wobei er auf die Schweizer Verfassung von  1848 zurückgreift. Aufgrund seiner Beobachtungen  von Liechtensteins Weg zeigt er Möglichkeiten für Reformen auf.

Berufselite zu Besuch
Im Kapitel über das Bildungswesen stellt der Fürst die berechtigte Frage, ob Bildung auch im dritten Jahrtausend die Aufgabe des States sein soll. Immerhin könne Bildung kaum als öffentliches Gut definiert werden. „ Anstatt die Schulen mit Steuergeldern zu subventionieren, ist es besser, die Eltern bzw. die Schüler zu subventionieren, damit sie sich jene Schulen aussuchen können, die für sie die besten sind“, meinte Hans Adam II und greift damit auf die Gutscheinidee Milton Friedmans zurück. Er argumentiert dabei nicht für die Abschaffung eines staatlichen Bildungswesens, sondern für eine Änderung der Finanzierung und mehr Wettbewerb.

Mit dem Auftritt des SwissSkills-Teams wurde dem Fürsten die Schweizer Berufselite vorgestellt. Nationalrat und sgv-Präsident  Jean-François Rime freute sich, die 8 Kandidatinnen und 32 Kandidaten sowie die 38 Experten vorstellen zu können: „Die Schweiz wird an den WorldSkills 2105 in Brasilien in 38 Berufen an den Start gehen.“ Das gemütliche Beisammensein und Netzwerken bei Speis und Trank auf der Madrisa, dem Hausberg von Klosters, rundete die diesjährige Gewerblichen Winterkonferenz ab.


 

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Fotos Freitag, 16. Januar

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Referate / Präsentationen


Mittwoch, 14. Januar 2015

  • keine Unterlagen

Donnerstag, 15. Januar 2015

  • Die EU - gestern nötig, heute schrötig, morgen unnötig (PDF-Datei)
    Referat Beat Kappeler, Publizist, Bern
  • "Chance Export": Andere Länder – andere Sitten: Erfolgreicher Umgang mit Stakeholdern (PDF-Datei / Powerpoint-Datei)
    Prof. Dr. iur. Christine Kaufmann
  • “Chance China”: Chance oder Herausforderung für die Schweizer KMU im Reich der Mitte? (PDF-Datei)
    Kurt Haerri, Leiter globale Geschäftsprozesse & Montage für Neuanlagen Schindler
  • „BildungPlus“ – Weiterbildung als strategischer Erfolgsfaktor (PDF-Datei / Powerpoint-Datei)
    Daniel Borner, Direktor Schreinermeisterverband VSSM
  • Strategische Optionen für KMU – unternehmerische Verantwortung oder akademischer Firlefanz? (PDF-Datei / Powerpoint-Datei)
    Hans-Peter Baumgartner, Vorsitzender Geschäftsleitung SIU

Freitag, 16. Januar 2015

  • Kooperationen aus chinesischer Hand (PDF-Datei)
    Matthias Gering, Swiss Licht AG, Niederbüren
  • Internationaler Orgelbau – Taten statt Worte (PDF-Datei)
    Hans-Peter Keller, Geschäftsführer Orgelbau Kuhn AG, Männedorf
  • Sprung mit „Halfpipe-Monster“ an die Spitze internationaler Märkte (PDF-Datei)
    Daniel Frutiger, Zaugg AG, Eggiwil
  • „Der Staat im dritten Jahrtausend“ (PDF-Datei)
    Referat SEINER DURCHLAUCHT FÜRST HANS-ADAM II. VON UND ZU LIECHTENSTEIN


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