Chancen für KMU im Wachstumsmarkt China
«Es hat eben erst angefangen»
Der riesige Markt China bietet Unternehmern ungeahnte Chancen – gerade auch den KMU. Das Entwicklungspotenzial ist enorm. Dies zeigten die Referate und Diskussionen unter China-Kennern am zweiten Tag der Gewerblichen Winterkonferenz in Klosters auf.
Bruno Zuppiger, Präsident der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Volksrepublik China, schilderte in seinem Eröffnungsreferat den faszinierenden Entwicklungsprozess, den China in den vergangenen Jahren durchlaufen hat. Mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern – das sind 185 Mal so viele Chinesen wie es Schweizer gibt – erreichte das im Vergleich zur Schweiz 230 Mal grössere Land in den letzten 20 Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 9,5 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren habe sich die Wertschöpfung der Industrie verdoppelt und 2009 habe das asiatische Riesenreich den Platz 1 unter den Exportnationen eingenommen.
Nationalrat Zuppiger lobte unter anderem die Mentalität der Chinesen, deren Wissensdrang sowie die vor allem unter den Jungen verbreitete sehr hohe Leistungsbereitschaft. Und er wies auf die langjährigen guten Beziehung der Schweiz mit China seit der Anerkennung der Volksrepublik durch unser Land im Jahr 1950 hin. Zuppiger gab seiner Hoffnung auf den baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens mit China Ausdruck und verwies auf den am kommenden 12. August anlässlich der Weltausstellung in Shanghai stattfindenden Swiss Day, wo sich eine weitere Gelegenheit ergeben werde, die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder zu vertiefen.
Öffnung geht weiter
Die Wirtschaftsentwicklung im Reich der Mitte zeigte Liang Jianquan auf, der neue Generalkonsul Chinas in der Schweiz. Die Krise habe auch sein Land hart getroffen, sagte Liang. Dank eines von der Regierung ausgelösten Investitionspakets von rund 400 Milliarden Euro, einer aktiven Finanz- und einer lockeren Monetärpolitik habe im vergangenen Jahr dennoch ein Wachstum von 8,5 Prozent erreicht werden können – und die Zahl der Berufstätigen habe um 11 Millionen zugenommen. Die Stabilisierung bei massiv rückläufigen Exporten sei vor allem dank einer sehr stark steigenden Inlandnachfrage möglich geworden. China befinde sich momentan in einer Beschleunigungsphase, was die Industrialisierung und die Urbanisierung betreffe.
Obwohl in Sachen Freihandelsabkommen etwas weniger optimistisch als Zuppiger, gab sich Liang überzeugt, dass die rasante Entwicklung Chinas auch für andere Länder, insbesondere auch für ausländische KMU, gute Chancen biete. Liang warb für die Koexistenz verschiedener Systeme und für weniger Ideologie im gegenseitigen Umgang – und versprach, dass die Öffnung nach aussen weitergehen werde.
Wachstum für 30 bis 50 Jahre
Seit 1986 arbeitet und seit 1988 lebt Nicolas Musy in China. Der Schweizer ist Managing Director des Swiss Center in Shanghai und hat mehrere eigene sowie weit über 100 fremde Firmen im Reich der Mitte (mit-)aufgebaut. Vor dem Hintergrund der für die Schweiz positiven Handelsbilanz von fünf Milliarden stellte Musy fest, dass China in der Schweiz Arbeitsplätze schaffe. Bis zur Hälfte der Schweizer Uhren- und Schmuckproduktion gingen nach China, dazu rund 30 Prozent der Exporte aus der Maschinenindustrie. China sei daran, Japan als zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt zu überholen, sei der weltgrösste Exporteur – und der wichtigste Käufer von Schweizer Produkten in ganz Asien.
Täglich würden, so Musy, 100 Chinesen neu zu (Euro-)Millionären – 36'000 pro Jahr kämen zu den bestehenden 800'000 Millionären hinzu. 75 Prozent der Uhren, die Hälfte der Foto- und Filmkameras, 80 Prozent der Kleidung und 70 Prozent der Mobiltelefone werden in der „Werkstatt der Welt“ zu tiefen Kosten hergestellt. Der Chinakenner gab sich überzeugt, dass in China dank stabiler Verhältnisse und tiefer Inflation noch mindestens 10 bis 20 Jahre lang zu niedrigen Kosten produziert werden könne. Spätestens 2040, eventuell aber bereits in zehn Jahren werde der chinesische Markt so gross wie der US-Markt sein. Ausser für die Uhrenproduzenten gelte, dass wer in China verkaufen wolle, auch dort produzieren sollte. Wer Weltmarktleader sein wolle, der müsse auch in China zur Spitze gezählt werden – dies gelte für die KMU ebenso wie für grosse Unternehmen. Alle Anstrengungen in Richtung China würden belohnt, denn das Wachstum im Land werde bestimmt noch 30 bis 50 Jahre anhalten – „es hat eben erst angefangen“.
Gerhard Enggist







